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Krankenkasse erweitert Webgeschäftsstelle mit Signatur


29. Juni 2007

Die Taunus BKK ermöglicht ihren Versicherten, Leistungen über das Internet zu beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass elektronische Formulare mit einer qualifizierten digitalen Signatur versehen sind. Seit Juni wird das Pilotprojekt in den Regelbetrieb überführt. Bis Jahresende will man 50 000 Kunden erreichen.

Unsere Sachbearbeiter haben kein Papier mehr auf dem Schreibtisch“, ist Ralph Völger von der Marketing-Abteilung der Frankfurter Taunus BKK stolz. Schon frühzeitig setzte die Betriebskrankenkasse auf die elektronische Versichertenakte und verbannte dadurch Formblätter und Aktendeckel von den Arbeitsplätzen und aus den Archiven. Die meisten großen Versicherungen halten es mittlerweile so und wandeln daher eingehende Briefe und Faxe in elektronische Dokumente um.

Verbunden ist dies allerdings mit einem aufwändigen Scan- und Signierprozess. Da lag es nahe, die Versicherten dazu zu bewegen, Anträge an die Kasse gleich selbst in elektronischer Form zu stellen – oder ihnen zumindest die Möglichkeit zu geben. Aus diesem Grund eröffnete die Krankenkasse Anfang vergangenen Jahres ihre Online-Geschäftsstelle im Internet. 100 Pilotanwender hatten bislang darauf Zugriff.

Zuvor aber galt es, einige Hürden zu nehmen, die dem besonderen Geschäftsfeld der BKK geschuldet sind: Krankenkassen können nicht frei wählen, in welcher Form sie mit den Versicherten kommunizieren. „Selbst für eine Adressänderung gibt es Formvorschriften“, erläutert Völger. Schrift ist Pflicht im Gesundheitswesen. Und dazu gehört auch die Unterschrift.

Deshalb stand von vornherein fest, dass in der Internetgeschäftsstelle die Versicherten die Möglichkeit bekommen mussten, eine qualifizierte digitale Signatur zu leisten, damit über die Lösung ein Großteil des anfallenden Schriftverkehrs abgewickelt werden kann.

Die Krankenkasse beauftragte den ortsansässigen Dokumentenmanagement-Spezialisten Pentadoc mit der Evaluierung der notwendigen Software und der Durchführung des Projekts. Nach einer zweimonatigen Sondierungsphase entschied sie sich dann für die Signatursoftware der Schweizer Open Limit.

Als Zertifizierungsdienst kommt Telesec von T-Systems zum Einsatz. „Dabei kann die Identitätsprüfung kostengünstig in jeder Postzentrale abgewickelt werden“, begründet der externe Projektleiter Jörg Marquardt von Pentadoc diese Wahl.

Die zentrale Rolle beim Betrieb der Online-Geschäftsstelle nimmt schließlich Serversoftware von Adobe ein. Sie erstellt und befüllt teilweise die Formulare, die dann vom Versicherten elektronisch unterschrieben werden. Fünf verschiedene Softwareprodukte der Kalifornier kommen dabei zum Einsatz.

„Die elektronische Unterschrift ist nur dann zugelassen, wenn der Unterzeichner auch überprüfen kann, was er digital signiert“, begründet Peter Körner von Adobe den Aufwand. Das heißt, es genügt nicht, die Eingaben eines Versicherten fälschungssicher zu verschlüsseln. Sie müssen ihm auch noch – ähnlich wie auf einem Papierdokument – angezeigt werden. Nur unter dieser Voraussetzung gilt die digitale Signatur als vollwertiges Äquivalent der händischen Unterschrift.

Nachdem das signierte Dokument per Internet übertragen ist, werden die Eingaben des Versicherten extrahiert und an die Branchensoftware der BKK und ihr Kundenmanagementsystem beziehungsweise an die Datenbank übergeben. Zusätzlich wird die signierte Datei archiviert.

Um die Akzeptanz der Versicherten zu erhöhen, sollten diese möglichst wenig mit der Installation zusätzlicher Software belastet werden. Auch das sprach für Adobe. Schließlich ist der Reader der Kalifornier schon seit vielen Produktgenerationen omnipräsent. Gerade aber das führte auch zu kleineren Komplikationen im Testbetrieb. Gelegentlich stellt eine der vielen verwendeten Reader-Versionen ein Krankenkassendokument nicht korrekt dar.

Bei Adobe allerdings ist man sich sicher, dass solche Probleme in absehbarer Zeit nicht mehr auftreten werden. Der Konzern hat seine Formate von der ISO standardisieren lassen. „Dadurch wird der Anteil der PDF-Dokumente mit hoher Qualität steigen“, erwartet Körner.

Die Krankenkasse kann durch digital signierte Anträge hohe Effizienzgewinne realisieren. Die Daten liegen in weiterverarbeitbarer Form vor. Und eingebaute Plausibilitätsprüfungen lassen den Versicherten kaum noch Möglichkeiten, ein Formular falsch auszufüllen. „Wir geben das an die Versicherten zurück“, verspricht Völger, „die Anträge können so erheblich schneller beschieden werden.“ Vor allem aber ist die Online-Geschäftsstelle zukunftssicher. Schließlich sieht die geplante Gesundheitskarte eine Kryptographie-Funktion vor.

Aktuell überführt die Taunus BKK den Online-Piloten in den Regelbetrieb. Bis zum Jahresende sollen 50 000 Versicherte über das Internet Leistungen beantragen können. Darüber hinaus sind weitere Angebote in der Pipeline. So soll ein personalisierter Vorsorgekalender ins Netz gestellt werden und die Versicherten die Möglichkeit bekommen, sich individuelle Broschüren zu erstellen. Achim Killer/ab

Artikel: Computer Zeitung